24. Juni 2018

Arm und Beinschmerzen Schmerz-Themen aktuell

Arm und Beinschmerzen

Arm und Beinschmerzen Krankheit und Schmerz
Therapie - Behandlung

Es gibt zwei grundsätzlich zwei Möglichkeiten Arm- und Beinschmerzen zu behandeln:

1.) Allgemeine Therapiemaßnahmen

2.) Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik


In der Praxis wird man durch allgemeine Therapiemaßnahmen immer versuchen, im ersten Schritt die Schmerzsituation in den Griff zu kriegen bzw. annehmbar zu lindern. Werden die Arm- und Beinschmerzen bzw. Gliederschmerzen durch spezifische Erkrankungen verursacht, also z. B. durch eine Polyneuropathie, eine Arthrose oder eine Durchblutungsstörung, erfolgt zunächst eine auf diese Grunderkrankung abgestimmte Therapie. Zeigen die Maßnahmen allerdings nicht die gewünschten Erfolge sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt.


1.) Allgemeine Therapien

Allgemeine Therapieansätze zur Behandlung von Arm– und Beinschmerzen sind:

- Medikamentöse Schmerztherapie

- Physikalische Maßnahmen (Wärme, Kälte, Krankengymnastik, T.E.N.S.,…)

- Akupunktur

- Spritzen: Durch das Spritzen eines örtlichen Betäubungsmittels kann akut eine Linderung herbeigeführt werden. Das Problem ist, dass die Wirkung nach einigen Stunden wieder nachläßt, es sei denn, man führt diese Behandlung 1-2 mal täglich (auch an Wochenenden) über einen längeren Zeitraum durch, was aber ambulant nicht realisierbar ist.

Weitere Details, spez. auch zu medikamentösen Therapie-Möglichkeiten, können Sie unten den einzelnen Unterthemen entnehmen.


2.) Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

Bei anhaltenden Arm- und Beinschmerzen sollten rechtzeitig weiterführende Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt werden. Dabei gilt generell das Motto: Je früher desto besser.

Gerade auch im Hinblick auf bevorstehende Amputationen aufgrund von Durchblutungsstörungen, ist es heute mehr als empfehlenswert, sich im Vorfeld zwecks einer unverbindlichen Beratung an eine Schmerzklinik zu wenden. In vielen Fällen kann nämlich eine Amputation dank neuer, die Durchblutung fördernde Methoden der modernen Schmerztherapie, verhindert werden.

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen. Die optimale Therapie von (chronischen) Arm- und Beinschmerzen erfordert je nach Ursache eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Als führendes Therapieelement, gerade auch bei chronischen Arm- und Beinschmerzen, gilt heute dabei die sog. „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“, eine minimal-invasive und nebenwirkungsarme Betäubung schmerzleitender Nerven.

Die weiter unten aufgeführten multimodalen Methoden, spez. die therapeutische Lokalanästhesie, setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Die Methoden sind am effektivsten, wenn sie mehrmals täglich angewendet werden, die „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ sollte grundsätzlich nur in Rahmen eines stationären, mehrwöchigen Aufenthalts erfolgen.


Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

a) Ausführliche und umfassende Beratung bzw. Aufklärung zur Erkrankung und zum individuellen Schmerzbild.

b) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann bei Arm- und Beinschmerzen zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.

c) Analgetikatestung

Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden. Die Problematik besteht ja bei vielen Patienten darin, daß viele medikamentöse Therapien in der Vergangenheit nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben. Mit Hilfe dieser Maßnahme besteht aber zumindest für den Patienten die Chance, sollte ein Bedarfsfall später doch nochmals eintreten, wenigstens auf ein wirkendes Medikament zurückgreifen zu können.


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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